banner.jpg
  • Apotheker Dr. Hans Kirchniawy
  • Berenbosteler Str. 76 d
  • 30823 Garbsen
  • Telefon: (05137) 82120
  • Fax: (05137) 821212
Anmelden | Registrieren
Drucken

Kneippen gegen Diabetes?

Sebastian Kneipps "Fünf Säulen der Gesundheit" sind über 120 Jahre alt und dennoch aktueller denn je


Kaltes Wasser kann die Abwehrkräfte des Körpers mobilisieren

"Am Abgrund stand ich": So beschrieb Sebastian Kneipp 1850 seine verzweifelte Lage. Die Ärzte hatten den 28-Jährigen mit seiner schweren Tuberkulose längst aufgegeben, erwarteten sein Ableben. Da fiel dem jungen Mann ein Büchlein über die heilende Kraft des Wassers in die Hände –  von da an ging er mitten im Winter nachts drei Mal die Woche zur Donau, sprang hinein, rannte anschließend eine dreiviertel Stunde heim, wickelte sich in Decken, schwitzte kräftig – und wurde wieder gesund.

Als "Fingerzeig Gottes" fasste Sebastian Kneipp seine Rettung durch das Wasser auf und erkannte daraus seine künftige Berufung. Nach seinem Theologiestudium kümmerte er sich als Kaplan um die "armen Kranken", denen die damalige Schulmedizin keine Chance mehr gab. Seine "Meisterprüfung" legte er ab, als er es schaffte, bei einer Choleraepidemie alle seine Pfleglinge zu retten – was ihm die heftige Kritik der Ärzte eintrug, eine Kritik übrigens, die sein ganzes Leben lang nicht verstummen sollte.

Kneipp ließ sich davon nicht beirren, sondern machte Wörishofen, wo er ab 1855 in einem Dominikanerinnen-Kloster eine Stelle als Beichtvater antrat, zu einem weltweit führenden Heilbadeort. In der Spitze strömten über 30.000 Kurgäste und über 100.000 Interessierte wegen ihm ins Allgäu. Kneipp selbst hielt Vorträge in ganz Europa und wurde in Rom von Papst Leo XIII. empfangen, der sich von dem bayerischen Pfarrer ebenfalls beraten ließ.


Kneippen – die fünf Säulen der Gesundheit

  • Wassertreten

    Wasser: Reizende Impulse
    Unerschütterlich setzte Sebastian Kneipp aufgrund eigener Erfahrungen auf die Kraft des kalten Wassers. Heute wissen Experten: Kaltes Wasser setzt einen stimulierenden Reiz, der das Abwehrsystem des Körpers aktiviert. Für Menschen mit Diabetes wären deshalb die Güsse, das Wassertreten und die Armbäder ein idealer Impuls, um das von der Zuckerkrankheit oft geschwächte Immunsystem zu stärken.
    Auch die Seele beflügelt das Wasser: "Viele Tausende Gemütsleiden und Verzweiflungen würden nicht stattfinden, wenn man durch das frische Wasser auch die Hütte des Geistes fleißig säubern würde", schreibt der Pfarrer in seiner herzerfrischenden Sprache. Für die dramatisch steigende Zahl depressiver Diabetiker wäre eine Kneippkur deshalb möglicherweise auch ein Weg zu mehr seelischem Wohlbefinden.

    1/5

  • Nordic Walking

    Bewegung: Schnelle Schritte
    Hätte es zu Zeiten von Pfarrer Kneipp schon Nordic Walking gegeben, Sebastian Kneipp wäre ein glühender Befürworter geworden. "Je kräftiger der menschliche Leib ist, so frischer wird auch der Geist sein", schreibt Kneipp, der Körper und Seele immer als Einheit sieht. Harte körperliche Arbeit ist für Kneipp das beste "Kräftigungsmittel", weshalb er die Bauern als "die gesündesten Menschen" bewundert. Aber auch an uns bewegungsferne moderne Menschen hat der Pfarrer schon gedacht und empfiehlt allen regelmäßige Bewegung – und zwar mit schnellen Schritten. Denn "bloße Spaziergänge" hält er für "nicht hinreichend".

    2/5

  • gesunde Ernährung

    Ernährung: Gesunde Körner
    Als genauer Beobachter der Natur entwickelte Sebastian Kneipp eine Ernährungslehre, die in weiten Teilen verblüffend modern ist. So bevorzugte er heimische Produkte, warnte vor dem übermäßigen Verzehr von Fleisch – und sang ein Loblied auf das Gemüse.
    Und obwohl er noch nichts von Vitaminen wusste, riet er dringend davon ab, Gemüse zu stark zu kochen, sondern roh oder gedämpft zu genießen. Seine Abscheu galt den damals aufkommenden Weißmehlen. Er erkannte, dass Weißmehlbrot im Vergleich zum Vollkornbrot kaum noch Nährstoffe hatte. Heute vermittelt jede moderne Diabetes-Schulung: Backwaren aus Weißmehl lassen den Blutzucker viel schneller in die Höhe schießen als Vollkornprodukte.
    Kneipps besondere Liebe galt übrigens dem Quark, den er auch bei leichten Magenstörungen empfahl – nach dem Motto: "Nahrung ist Medizin."

    3/5

  • Heilpflanze Löwenzahn

    Heilpflanzen: Heimische Kräuter
    Schon von frühester Jugend an wusste Sebastian Kneipp um die Heilkraft heimischer Kräuter – und kümmerte sich besonders um die preiswerten heimischen Hausmittel. Auch probierte er alles selbst: "Kein Kräutchen, kein Pulver, das ich nicht selbst gesucht und als bewährt befunden habe!"
    Von Aloe bis Zinnkraut (Schachtelhalm) reicht seine "Hausapotheke". So preist er den Spitzwegerich als "besten Notverband bei frischen Wunden". Eine absolut richtige Einschätzung, bestätigt Heilpflanzenexperte Dr. Siegfried Bäumler, denn: "Spitzwegerichkraut wirkt blutstillend."

    4/5

  • Entspannungsübungen

    Ordnung: Maßvoll leben
    "Vergesst mir die Seele nicht", predigte Pfarrer Kneipp – und mahnte, dass im Maße die Lebensordnung des Menschen liege. Hochaktuelle Ratschläge, gerade auch für die moderne Diabetes-Beratung, denn Stress gilt als wichtiger Mitverursacher des Typ-2-Diabetes. Deshalb ist das Streben nach der inneren Einkehr ein wichtiger Pfeiler für das nachhaltige Zähmen des "Zuckers".
    Doch Kneipp war kein weltferner Theoretiker, sondern verordnete seine "Atemgymnastik" als praktische Übung zum Seelenfrieden: "Man bleibe beim Spaziergang einige Minuten stehen und ziehe ganz langsam, tief Luft holend, die frische Luft ein, halte sie ein wenig in den Lungen zurück und atme sie anschließend ebenso langsam wieder aus." Wegen der heilenden ätherischen Öle empfahl Kneipp als idealen Ort für diese "Lungengymnastik" übrigens Fichtenwälder.

    5/5

"Meine Wasserkur" heißt Kneipps Standardwerk, das 1886 erschien und bis heute mit seiner zupackenden, leicht verständlichen Sprache fasziniert. Zwar hing Kneipps Herz an den Wasseranwendungen, aber als kluger Pfarrer wusste er seine Schäfchen so zu nehmen, wie sie sind, und schrieb: "Doch es gibt Kranke, welche aus unüberwindlicher Wasserangst sich schwer zu einer oft notwendigen Wasserkur entschließen können."

Konsequent erweiterte er deshalb seine Wasserkuren um weitere Behandlungen: So fügte er seine "Apotheke" mit rund 50 heilenden Kräutern dazu. Allerdings warnte Kneipp schon damals vor dem heute noch viel mehr verbreiteten Glauben, "dass recht viele Pillen gesund machen".

Hausmittel selbst zubereiten

Der kluge Pfarrer setzte vielmehr auf Eigeninitiative: So war ihm wichtig, dass die Menschen ihre Hausmittelchen selbst zubereiten. Nicht nur, weil das billiger sei – schließlich richtete er sich nach eigenem Bekunden an die "Ärmsten der Armen".

Sondern auch, weil er darin einen Teil des Heilungsprozesses sah: Denn wer sich zum Beispiel selbst auf die Suche nach (auch im Winter wachsenden) Brennnesseln macht, um sich daraus einen Tee zu bereiten, der verabreicht sich auch gleich eine gesunde Dosis Bewegung. Ein kluger Rat also gerade für Menschen mit Typ-2-Diabetes – auch wenn diese Krankheit zu Pfarrer Kneipps Zeiten kaum bekannt war. Bewegung war für Sebastian Kneipp eine unverzichtbare Säule für ein langes und gesundes Leben.

Gedanken, die heute hochaktuell sind, in der damaligen Zeit aber geradezu revolutionär waren. In seiner Ernährungslehre, die auf Vollwertkost und frischen heimischen Lebensmitteln basiert, wetterte Kneipp übrigens vehement gegen Süßes – als hätte er die Zivilisationskrankheit Diabetes, die sich mittlerweile epidemieartig über den Globus ausbreitet, damals schon vorausgeahnt: "Absolut und entschieden spreche ich mich gegen alle Schleckereien aus!"

"Eine undankbare Aufgabe"

Als Krönung seiner "Fünf Säulen" gelten Kneipps Gedanken zur Lebensordnung, wo er auf eine uralte Erkenntnis setzt: "Im Maße liegt die Ordnung, und jedes Zuviel und Zuwenig setzt an die Stelle von Gesundheit Krankheit." Ein Satz, der fast wie eine Grußadresse an Burnout-geplagte Manager des 21. Jahrhunderts daherkommt.

Überhaupt lesen sich die Kneipp'schen Lehren in ihrer Gesamtheit wie eine Vorwegnahme der Empfehlungen zu einem "gesunden Lebensstil", die heute als Basis der Vorbeugung und Behandlung des Typ-2-Diabetes gelten. Wobei der Pfarrer aus Wörishofen schon damals etwas feststellte, was Präventions-Experten bis heute zu knabbern gibt: nämlich dass es "oft eine undankbare Aufgabe ist, andere darauf aufmerksam zu machen, dass sie beizeiten Vorsorge treffen".



  1. 1
  2. 2

Hans Lauber / Diabetes Ratgeber; 24.02.2012
Bildnachweis: W&B/Bernhard Huber

Ärztlicher Ratgeber

Typ-2-Diabetes

Informationen über Früherkennung, Vorbeugung, Diagnose und Therapie »

Diabetesrisiko erkennen

Selbst-Test

Wie hoch ist Ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken? Machen Sie den Test! »

Vorbeugung

Das unterschätzte Risiko

Viele Deutsche kennen die Risikofaktoren für Diabetes nicht »

Vorbeugen fällt schwer

Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern »

Gesünder leben

Gesund essen mit Diabetes

Eine Ernährungsberatung speziell für Menschen mit Typ-2-Diabetes  »

Fitness für Diabetiker

Sport hilft gegen Diabetes! Infos und Anregungen für Neulinge und Profis »

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung